Messina - Parco dell'Etna - Catania - Capo Passero

Wir sind nicht einmal 2 Stunden aus Messina herausgewandert, als wir schon in den Genuss der sizilianischen Gastfreundschaft kommen.  Erst wird uns im Dorf von Nino der Weg erklärt und als wir kurz darauf an seinem Haus vorbeilaufen, werden wir von der Familie zum Mittagessen eingeladen.  Irgendwann müssen wir uns losreißen, um noch am geplanten Ziel anzukommen. Nach einigem Anstieg erreichen wir Dinetamare mit traumhaftem Blick über die Straße von Messina, die Nordostküste und sogar schon den Ätna. Ab jetzt folgen wir einer alten Militärstraße, die sehr gut zu laufen ist. Mit wunderschönen Aussichten und endlich mal wieder ohne Autostraßen, genießen wir das Wandern. Leider bremst uns kurz darauf ein Waldbrand, der einige Kilometer vor uns wütet. Wir steigen daher missmutig zur Küste ab und umlaufen den Brand weiträumig.  Jetzt müssen wir noch einmal alle Motivation zusammenkratzen, um nicht gleich auf die Straße auszuweichen. Da der Weg aber bisher so schön war, probieren wo es doch noch einmal! Unsere Entscheidung wird belohnt durch einen tollen Panoramaweg durch die Berge. Ab dem Malabotta-Wald treffen wir auf E1-Markierungen, die uns schnell zum Ätna führen. Jeden Tag sehen wir nun den dampfenden Vulkan vor uns. Schließlich führt der E1 auf einer aussichtsreichen Piste um den Ätna herum. Die Landschaft ist sehr beeindruckend und wir überqueren ein Lavafeld nach dem anderen. Leider gibt es hier kein Trinkwasser, sodass wir für 2 Tage Wasser mit uns herumtragen müssen (das erste Mal auf unserer Tour). So können wir uns auch leider nicht länger Zeit lassen, um den tollen Weg und die regelmäßig vorhanden unbewirtschafteten Berghütten zu genießen.  Unbeschreiblich ist die absolute Ruhe auf der Hütte, in der wir übernachten. Erst hier merken wir, wie lange wir das nicht mehr hatten. Der Ätna gibt Thilos Schuhen den Rest, die wir ab hier notdürftig mit Sekundenkleber und gefundenen Sohlenresten reparieren... :-) Nachdem die Wegführung des E1 nun fast nur über viel befahrene Straßen führt, ist Catania das nächste Highlight. Wir genießen den Abend in der belebten und schönen Stadt. Lena büßt die Stadtbesichtigung in Crocs mit schmerzenden Sohlen am nächsten Tag, sodass wir schon nach 8 Kilometern unser Zelt aufschlagen.  Die nächste Etappe überbrückt ein unschönes Flachlandstück bis zu den ersten Hügeln der Monti Iblei. Wir müssen aufgrund fehlender Nachfüllmöglichkeiten mit 4 Litern Wasser ganze 34 Kilometer in der Hitze bis zum Zielort laufen. Fast verdurstet stürzen wir dort in den ersten Supermarkt. So gut hat Wasser selten geschmeckt! ;-) Die Grobskizze des E1 führt über den Monte Lauro zum Capo Passero und wir beschließen, uns daran zu orientieren (Markierungen gibt es hier keine mehr), obwohl es nicht der direkte Weg ist. Wir kommen so durch schöne Kleinstädtchen, leider aber auch wieder in den Genuss der italienischen Besonderheiten. Eingezeichnete Straßen enden vor verschlossenen Toren und wir machen so aus einer Etappe von 18 Kilometern fast das Doppelte. Nach unzähligen erfolglosen Versuchen über kleinere Straßen bleibt uns nur noch der Weg über die vielbefahrene Hauptstraße. Abends sind wir richtig fertig und merken nun auch langsam, dass wir schon länger keinen Ruhetag mehr gemacht haben. Unseren Weg suchen wir wieder - wie so oft in Süditalien - anhand von Straßenkarten aus und landen bei Noto auf einer alten Straße, die für Autos schwierig zu fahren sein dürfte, aber zum Wandern perfekt ist. Durch ein sehr schönes Tal gelangen wir nach Noto - ein hübsches und sehr touristisches Städtchen. Das Capo Passero können wir nun schon am Horizont erahnen.  Die letzten Kilometer über Straßen sind unspektakulär. Wir sind zwiegespalten: Das Laufen auf teilweise engen und uneinsehbaren Straßen laden nicht gerade zum weiteren Wandern ein, aber es fällt uns sehr schwer, die Tour zu beenden. In den letzten Tagen haben wir immer wieder versucht herauszufinden, wo der Endpunkt des E1 (Capo Passero) genau ist. Wir wissen es bis heute noch nicht. :-) Angekommen am südöstlichsten Festlandzipfel (Capo Passero?) ist für uns die Tour mental beendet. Vor uns erhebt sich die Isola di Capo Passero, auf der auch das eigentliche Kap liegen könnte.  Wir schauen aufs Meer hinaus und begreifen erst langsam, dass wir den E1 beendet haben. Wir sind im ersten Moment viel eher wehmütig über das Ende unserer Tour, als dass wir das Ankommen am Ziel genießen können - vielleicht kommt das noch mit der Zeit. Am nächsten Tag zieht es uns noch einmal weiter zum südlichsten Punkt Siziliens - dem Capo delle Correnti. Das wäre sicher auch ein sehr schöner Endpunkt für den E1 gewesen, zumal hier laut einer Steintafel auch der Sentiero Italia endet. Letztlich können wir es nicht lassen und fahren stilecht mit dem Trerboot zur Isola di Capo Passero und blicken noch einmal aufs Meer, bevor wir uns auf die Rückreise machen. Theoretisch könnten wir jetzt günstig von Catania nach Frankfurt fliegen und wären in wenigen Stunden zu Hause. Wir wollen uns aber für die Rückreise etwas mehr Zeit lassen. Schließlich haben wir viele Monate hierher gebraucht. ;-) Wir genießen noch ein bisschen die sizilianische Sonne, zusammen mit Ingo, der uns spontan besucht hat. Vielleicht werden wir auf der Rückreise auch tatsächlich noch das Stück über den Gotthardpass nachholen, was wir im Frühjahr wegen des Schnees auslassen mussten. Die Bilder der letzten Etappe laden wir dann bei Gelegenheit hoch!


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